IVANMAN – zwischen Mode und Kafka

Seit Ivan Man seine Abschlusskollektion im Sommer 2010 im Rahmen der Esmod-Diplomshow im Haus der Kulturen der Welt (Berlin) präsentierte, verfolge ich die rasante Entwicklung des serbischen Jungdesigners. Binnen nur zwei Jahre hat er sich weit über die Grenzen Berlins hinaus einen Namen gemacht. Heute glänzt er mit seiner nunmehr dritten Kollektion, die sich mit den Gedanken, Gefühlen und Seelenzuständen des Schriftstellers Franz Kafka beschäftigt.

Ganz im Zeichen einer anderen Zeit: der Designer bezieht sich unter anderem durch Elemente von Beamtenuniformen auf das nostalgische Thema. Ihm gelingt der Spagat zwischen strenger Formgebung in Kombination mit verspielten Details. In der Farbpalette vermischen sich düstere Schwarztöne mit klarem Weiß, dazwischen findet man Abstufungen aus sanften Beige-, Braun- und Hellgrautönen.

“Ich betrachte meine Mode als Weiterentwicklung von Literatur, Musik, Architektur oder der bildenden Kunst. Wenn ich aus Literatur das Gefühl ziehe und aus Architektur die Gestalt… dann wird aus Emotion und Form letztlich Mode!” Ivan Man

Als ich Ivan in seinem Loft in Berlin-Kreuzberg besuche, ist es bereits dunkel. Das Szenario spiegelt sich in den gigantischen Fensterscheiben, welche sich bis zur Decke erstrecken: ein riesiger Arbeitstisch steht in der Mitte des Raumes, verschiedene Nähmaschinen sind auf ihm platziert. Zwischen Schneiderbüsten und Kleiderstangen befinden sich unzählige Bücher, zu Themen wie Architektur oder Kostümgeschichte. Ivan nutzt die Räumlichkeiten zum arbeiten und wohnen. Er führt mich durch das komplex durchdachte Gebäude, welches voll von kuriosen Details und spannenden Konstruktionen steckt. Das hier Mode erschaffen wird, wird erst auf den zweiten Blick klar – die Atmosphäre wirkt auf eine angenehme Weise gebildet, jedoch ganz ohne diesen inszenierten Intellektuellenkult. Schliesslich finden wir uns an einem großen runden Tisch wieder, welcher mich an diese typischen Nussbaummöbel der sechziger Jahre erinnert. Bei Kaffee aus blau geblümten Porzellan und den Klavierklängen (“Musik mit Gesang ist nicht so mein Ding. Ich glaube das hier gerade ist Chopin!”), beginnt mir ein entspannter und gut gelaunter Ivan Man aus seinem Leben als sogenannter Jungdesigner zu berichten – überraschend ehrlich und ohne Alluren.

Ivan, du hast deine Abschlusskollektion im Sommer 2010 präsentiert, nachdem du an der Berliner Esmod dein Modestudium absolviert hast. Wie bist du überhaupt dazu gekommen, Mode zu studieren und was hat dich ausgerechnet zur Esmod verschlagen?

Mode war das letzte was ich machen wollte. Mode war für mich immer ziemlich oberlflächlich mir hat dazu schlicht der Bezug gefehlt . Meine Arbeit in diesem Bereich hat damit begonnen, dass ich anfing an der Gestaltung der Kostüme in der Staatsoper mitzuwirken – unter anderem bei Inszenierungen von Dr. Faustus. Ich wollte etwas in diese Richtung studieren… dadurch kam ich zur Mode. Auf die Esmod stieß ich, als ich mich über Modeschulen in Berlin informierte.

 

Die Studenten der Esmod können sich während ihres Studiums auf einen Teilbereich spezialisieren – warum hast du dich ausgerechnet für Herrenmode entschieden und nicht für Kostümbild?

Während meines Studiums an der Esmod erschien mir die Männermode etwas strukturierter und handfester als der Kostümbereich. Außerdem habe ich in der Gestaltung von Herrenmode eine neue Herausforderung gesehen – als Designer ist man hier viel eingeschränkter als bei Damenmode und muss dennoch immer wieder neue Details entwickeln.

 

Kannst du die Ausbildung an der Esmod weiterempfehlen?

Ja! Die Esmod ist eine gute, wenn auch sehr harte Schule. Man wird nicht immer mit Samthandschuhen angefasst und muss lernen auch mit harter Kritik umzugehen – aber später wird einem das schliesslich auch nicht erspart. Insofern wird man gut auf die Realität im Modegeschäft vorbereitet.

 

Was unterscheidet deine heutige Kollektion von deiner Abschlusskollektion von vor zwei Jahren, was ist ihr gemein?

Ich bin meinen strengen Linien und geometrischen Schnitten treu geblieben. Allerdings orientiere ich mich heute mehr als je zuvor an klassischen Elementen. Diese sind für mich nicht nur das Leitthema, sondern gleichzeitig auch die Motivation, die mich fünf Monate unterstützt eine Kollektion zu Ende zu führen. Ich finde meine Inspirationen nach wie vor insbesondere in der Literatur, Kunst und Architektur.

Eine vollständige Kollektion zu entwickeln und herzustellen verlangt nicht nur Kreativität und Ideenreichtum, sondern auch ein hohes Maß an organisatorischem Talent. Wie dürfen wir uns diesen Prozess bei dir vorstellen?

Bei mir ist der ganze Ablauf im Vorfeld inhaltlich durchdacht und durch einen Zeitplan strukturiert. Ich habe nie zu denjenigen gehört, die zwei Stunden vor einem Abgabetermin nochmal alles umgeworfen und neu angefangen haben. Ich bin diszipliniert und halte mich an meine Pläne – natürlich bin ich gründlich in meiner Arbeit, aber ich halte nichts von dieser übertriebenen Penibilität die einen nie zur Ruhe kommen lässt. Man sollte mit einer Grundgewissheit an seine eigene Arbeit gehen, sich auf Entwicklungen einlassen, aber auch eines Tages zufrieden mit seiner Arbeit sein, sie beenden und etwas Neues anfangen können. Mir geht es als Designer in erster Linie darum meine Visionen konsequent und zielstrebig umzusetzen .

 

Wie gehst du mit Erfolgsdruck um, gibt es Momente in denen du daran zweifelst was du tust?

Natürlich kommen Zweifel immer wieder. Nach einem Hoch kommt auch mal ein Tief. Aber das hält nur ein paar Momente und dann geht es weiter. Ich habe keine Angst davor, keinen Erfolg zu haben. Ich lasse mich weder von mir selber noch von den anderen in meine unmittelbaren Umgebung verunsichern.

 

Welche Arbeiten gegenwärtiger Designer verfolgst du besonders gerne?

Es gibt eine Menge junger Designer die mein Interesse wecken. Von den größeren mag ich vor allem Dior und Givenchy.

Welche Vor- und Nachteile siehst du in dem Standort Berlin für junge Designer?

Positiv ist vor allem die Entwicklung der Mode in der Stadt, die immer weiter in Richtung Mailand, New York oder Paris geht. Berlin ist für Designer bezahlbar – dieser finanzielle Effekt kann ein Sprungbrett für unbekannte Gesichter sein. Viele könnten sich ihre Kollektionen und Showrooms in anderen Modemetropolen gar nicht leisten. Mir fehlt oft in Berlin jedoch oft die Professionalität.

 

IVANMAN gibt es in folgenden Berliner Stores zu finden:

Trüffelschwein ROSA-LUXEMBURG-STR. 21, 10178 BERLIN

Wald Berlin ALTE SCHOENHAUSER-STR. 32C, 10119 BERLIN

WWW.IVANMAN.DE

 

 

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Ein Kommentar zu “IVANMAN – zwischen Mode und Kafka

  1. Super, wie er seine Ziele verfolgt und erreicht hat.
    So jung und schon so viel erlebt. Seien Kollektion ragt weit über menschliche Vorstellung herraus. Für die Zukunft wünsche ich nur das Beste

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