Durch die Castingshow “Fashion&Fame” wurde die mittlerweile 20 Jahre alte Vanessa Fuchs der Öffentlichkeit ein Begriff. Ganz á la Project Runway wurde hier jungen Designern die Plattform geboten sich zu testen und zu beweisen. Heute – nachdem sie die Show hinter sich und das Modedesignstudium in Sigmaringen abgeschlossen hat – versucht sie nun durch Praktika die ersten handfesten Berufserfahrungen im harten Modebusiness zu sammeln.
Was Vanessa auf ihrem Weg in die Branche für Erkenntnisse gesammelt hat, ob sie die Castingshowerfahrung an angehende Jungdesigner weiterempfehlen würde und worauf du als angehende/r ModedesignstudentIn achten solltest…
Vanessa, du bist gerade in deine Heimatstadt zurückgekehrt, nachdem du ein Praktikum beim Berliner Label Lala Berlin absolviert hast – welche Erfahrungen konntest du für dich mit aus der Hauptstadt nehmen?
Meine Aufgaben während des dreimonatigen Praktikums waren Design und Atelier übergreifend. Ich habe beispielsweise Skizzen coloriert, technische Zeichnungne am PC gemacht oder Prototypen gefertigt. Lala Berlin ist ein verhältnismäßig kleines Label – das hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist das Team übersichtlich und man erhält daher auch schonmal als Praktikant etwas mehr Verantwortung als in einem größeren Betrieb. Außerdem sind nicht alle Arbeitsprozesse vorgeplant und an strikte Abläufe gebunden – so hat man die Gelegenheit etwas zu experimentieren. Ich habe zuvor ein Praktikum bei dem industrielleren Label René Lezard gemacht. Dort hatte ich zwar nicht so viele Freiräume, aber die Marke ist längst etabliert und die Abläufe innerhalb des Konzerns gut durchstrukturiert.
Welche Arbeitsweise spricht dich – nachdem du beide Erfahrungen machen konntest – als angehende Designerin mehr an? Eher das kleine Designlabel oder der größere industrielle Modekonzern?
Mir tut auf der Arbeit ein strukturiertes Umfeld gut – privat bin ich schon chaotisch genug (lacht)!
Gerade in Berlin bestehen die meisten jungen Label zur Hälfte aus Praktikanten – ich tendiere eher zu einer industriellen Firma bei der ich einerseits einen organisierten Arbeitsalltag und andererseits ein festes Gehalt erwarten kann.
Durch deine Ausbildung wurdest du immerhin auf verschiedene Arbeitsbereiche vorbereitet – wie kamst du eigentlich ausgerechnet an die Modefachschule Sigmaringen?
Mir war es wichtig einen staatlich anerkannten Abschluss zu erhalten. Es gibt unzählige Modeschulen die eigene, nicht anerkannte Diploma vergeben. Ich wollte lieber eine handfeste Ausbildung, mit der ich mich auch international bewerben kann.
Fotos aus Vanessas Abschlusskollektion (Fotografin: Lina Tesch)
Wie können wir uns denn den Alltag an deiner Schule vorstellen?
Im Prinzip ganz klassisch wie in einer normalen Schule eben: Unterricht von pünktlich 8:00 Uhr morgens bis 17:15 Uhr nachmittags, verschiedene Unterrichtsfächer, Hausaufgaben, Prüfungen, Projekte… Im Gegensatz zu anderen Unis und Schulen wurden unsere Fächer alle sechs Semester unterrichtet. Dazu gehörten beispielsweise Zeichnen, Schnittkonstruktion, Rechnungswesen, Nähen oder Businessfremdsprachen. Die Schule verlangt ein hohes Maß an Disziplin, es besteht Unterrichtspflicht und das Anforderungsniveau ist sehr hoch. Dafür erhält man eine gründliche und vielseitige Ausbildung. Hinterher kann man in unterschiedlichen Gebieten tätig werden. Ob Design, im Schnitt oder auch in Branchen die nicht direkt etwas mit Mode zu tun haben wie etwa in der Grafik. Wir haben nämlich unter anderem auch mit verschiedenen Programmen wie Photoshop, Illustrator und Corel Draw gearbeitet.
Wie hat dir der Standort der Schule – Sigmaringen liegt ländlich in Baden-Württemberg – auf dein Studium ausgewirkt?
Der Nachteil ist, dass man sich wirklich mitten in der schwäbischen Pampa befindet. Die Inspirationen, Einflüsse und Eindrücke die man in einer Großstadt wie Berlin täglich erhält fehlen manchmal. Da man aber gleichzeitig auch wenig Möglichkeiten hat sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, konzentriert man sich umso mehr auf das Studium – das wäre mir in einer so vielseitigen und aufregenden Metropole sicher schwerer gefallen.
Wie sah das Aufnahmeverfahren an deiner Schule damals aus?
Zu meiner Zeit musste man einen Kreativtest machen; etwa 10 bis 15 Seiten Aufgaben die das Gefühl für Form und Farben, beziehungsweise das Vorstellungsvermögen der Bewerber testen sollten. Wir mussten unter anderem geometrische Figuren so auf einem Blatt anordnen, dass die eigentlichen Formen nicht mehr zu erkennen waren oder die Rückansicht einer Bluse zeichnen. Es gab außerdem einen schriftlichen Test mit allgemeinen Modefragen – etwa zu Kragenformen. Heute muss man glaube ich auch etwas drapieren und eine Mappe abgeben.
Als du bei der Castingshow Fashion&Fame teilnahmst, hast du noch mitten im Studium gesteckt. Wie bist du überhaupt dazu gekommen?
Die Produktionsfirma hat verschiedene Modeschulen angeschrieben und für dieses Format geworben. Wir haben nicht viele Informationen bekommen, aber ich konnte mir denken, dass es sich dabei um das deutsche Pendant zu der US-amerikanischen TV-Show “Project Runway” handeln würde. Eines Tages kam ein Anruf und ich bin für eine ausgeschiedene Kandidatin nachgerückt.
Wie hast du die Zeit bei Fashion&Fame empfunden?
Ich habe eine Reihe neuer Erfahrungen sammeln können und mich glücklicherweise gut mit meinen Mitbewerbern verstanden. Die Situation von morgens um 7:00 Uhr bis nachts um 24:00 Uhr von Kameras umringt zu sein ist nicht nur ungewohnt, sondern verlangt dir auch nervlich einiges ab. Was in den auf 45 Minuten zusammen geschnittenen Folgen im TV hinterher gezeigt wird kann nur schwer ein authentisches Bild von dem vermitteln, was da tatsächlich die ganze Zeit passiert. Schade fand ich an der deutschen Version des Formats, dass der Fokus oft auf quotenbringenden Nebenschauplätzen lag, die nichts mit der eigentlichen Arbeit in der Branche zu tun hatten. Das Fernsehen wollte eben zeigen was der breiten Masse gefällt – da war manchmal mehr Drama dabei, als Mode.
Hat dir die Teilnahme an der Show denn beruflich weitergeholfen?
Ich habe keinen konkreten Job durch Fashion&Fame bekommen – ich bewerbe mich genau wie jeder andere für Praktika und Jobs. Man darf nicht zuviel von so einer Fernsehsendung erwarten. Natürlich gibt es zunächst eine gewisse Resonanz der Medien, aber nach Abschluss der Staffel ist auch das schnell abgeflaut. Man bekommt ein bisschen Aufmerksamkeit, aber dann kehrt man in sein eigenes Leben zurück.
Du hast es ja auch immer wieder von selber geschafft an interessante Jobs und Praktikumsplätze zu kommen – hätte es denn überhaupt eine Alternative gegeben?
Um ehrlich zu sein… ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt etwas anderes als Mode kann! (lacht)
Ich habe mal ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht, vielleicht wäre Modejournalismus noch denkbar gewesen. Etwas völlig anderes kann ich mir nicht vorstellen – es gab nie einen Plan B. Ich möchte etwas tun was mir Spaß macht, als Bankkauffrau würde ich vielleicht mehr verdienen, aber nicht glücklich abends nachhause kommen.
Wie wichtig ist dir (finanzieller) Erfolg?
Für jeden kann Erfolg etwas anderes bedeuten. Ich möchte mich aus eigener Kraft hocharbeiten. Irgendwann eine feste Stelle, vielleicht ein eigenes Label, Spaß daran haben was ich tue – man kann Erfolg nicht am Gehaltsscheck messen.
Wer sich mehr über Vanessa und ihre Arbeit informieren möchte kann sich auf ihrer Webseite und ihrem Blog umschauen! Viel Spaß dabei!











